Sarina Grace Scott
emotional lovestories
ALBA - Schottland Love Reihe
Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem sechsten Teil meiner ALBA Reihe für dich.
Kapitel 1
Erin
Nachdem ich einen Umweg von fast zwei Stunden in Kauf nehmen musste und dadurch die Vormittagsfähre verpasst habe, warte ich in meinem blauen Mini hinter einem SUV darauf, dass die Rampe heruntergelassen wird. Dann winkt der Mitarbeiter der Fähre und ich starte den Motor, es folgt ein kurzes Rumpeln, als mein Auto und ich das Deck verlassen.
Langsam fahre ich hinter den anderen Autos her in den kleinen Ort und parke schließlich vor der Touristeninfo, um mich umzusehen. Gegenüber liegen ein Hotel und ein Pub. Mein Mittagessen auf dem Festland ist schon länger her und weil ich auch auf der Fähre nichts gegessen habe, knurrt mein Magen, also schnappe ich mir meine Handtasche und betrete den fast leeren Pub.
Ein älteres Ehepaar sitzt an einem Tisch in der Ecke, zwei junge Frauen lehnen am Tresen, als würden sie auf jemanden warten, und der Barkeeper fragt mich mit skeptischem Blick, ob ich etwas essen will.
»Unbedingt«, antworte ich, was ihn grinsen lässt. Er deutet auf einen Tisch am Fenster und reicht mir eine Papierkarte.
Ich bestelle Maccheroni&Cheese und eine Cola und schreibe meiner Mutter, dass ich auf der Insel angekommen bin. Auf einer davon zumindest, denn mein Praktikum werde ich auf Lewis verbringen und das ist ja eine andere Insel, die irgendwie an Harris dranhängt. Oder andersrum, aber das habe ich noch nicht verstanden. Der Kellner bringt meine Cola und fragt mich, ob ich eben mit der Fähre angekommen bin.
»Ja, bin ich. Kannst du mir etwas empfehlen, wenn ich mal ausgehen will?«
Er runzelt die Stirn, als hätte ich ihm gesagt, der Himmel wäre grün.
»Hier in Tarbert?«, fragt er irritiert. Wahrscheinlich habe ich mich mit meiner Frage als hoffnungsloser Großstädter geoutet.
»Gibts hier sonst noch eine Stadt?«, hake ich nach.
Er fängt an zu lachen. »Schätzchen, hier gibt es überhaupt keine Stadt.«
Ok, noch ein Fehler.
Sein Kollege dreht am Radio, was die beiden Mädchen an der Bar veranlasst, zu gackern wie Groupies und der Kellner deutet zur Lautsprecherbox über uns.
»Wenn du feiern willst, kommst du zu uns. Wir haben mehr zu bieten als so manche Stadt.« Grinsend huscht er zurück zur Theke und ich lausche der Musik. Der Song läuft auch in Glasgow rauf und runter, aber die Band kenne ich nicht. Die beiden Mädels an der Theke scheinen ihn zu mögen. Eine von ihnen lehnt sich über den Tresen, um den Kellner etwas zu fragen, worauf er nur den Kopf schüttelt.
»Nee, heute sicher nicht, Lass.«
Nachdem ich meine Nudeln aufgegessen habe und sich der Pub langsam füllt, bezahle ich und verlasse das Lokal. Vom Meer weht ein frischer Wind und es ist immer noch hell, obwohl es bereits nach neun Uhr abends ist. Die lange Fahrt war doch anstrengender, als ich dachte, aber morgen werde ich mein Praktikum starten und muss ausgeschlafen sein, also mache ich mich auf den Weg zu meinem Hostel. Wegen eines angesagten Musikfestivals waren alle Zimmer auf Lewis bereits ausgebucht und ich musste eines auf Harris nehmen, bis meine Wohnung in Stornoway bezugsfertig ist.
In meinem Auto gebe ich die Adresse ein und starte den Wagen. Am Ortsausgang geht es links einen Berg hinauf, mein Mini rattert über die Viehgitter und ich lasse Tarbert hinter mir. Die Sonne glüht dicht über dem Meer und verleiht dem Himmel einen ganz besonderen Glanz, deshalb fahre ich auf einen Schotterparkplatz, um ein paar Fotos zu schießen. Ich wandere durch die Heide, bis ich nasse Füße habe und fotografiere die untergehende Sonne aus allen Blickrichtungen, dann drehe ich mich um, knipse den Hafen und die Brennerei mit den vielen Fässern davor.
Zurück in meinem Wagen ist mir furchtbar kalt, deshalb drehe ich die Heizung auf und wärme meine Hände, bevor ich den Kopf zurücklehne und kurz die Augen schließe.
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»Hey Lass!« Jemand klopft an mein Fenster und reißt mich aus dem Schlaf. Irritiert streiche ich mir die Haare aus dem Gesicht.
»Aufmachen!«, ruft der Fremde von draußen, während er mit einer Handbewegung andeutet, dass ich die Scheibe herunterlassen soll. Das geht aber mit abgestelltem Motor nicht, deshalb öffne ich die Tür.
»Du kannst hier nicht stehen!«, sagt er mit tiefer Stimme.
»Ich wollte nur kurz den Sonnenuntergang ...«
»Die Sonne ist vor drei Stunden untergegangen. Du kannst hier nicht pennen!« Er deutet auf ein 'no overnight parking'-Schild und den Zusatz, dass dies ein Rettungsweg ist.
»Ich wollte gar nicht ...« Immer noch verwirrt steige ich aus. »Wie spät ist es?«
Der Kerl linst auf eine teure Uhr.
»Gleich Mitternacht.«
Echt jetzt? Habe ich wirklich drei Stunden geschlafen?
Mittlerweile ist es dunkel und nur die Lichter seines Porsche beleuchten mein Auto, genauso wie das ’Parken verboten’-Schild.
»Wo hast du dein Zimmer?«, will er wissen. Seine Stimme klingt tief, dunkel und ziemlich sexy. Er ist jung.
»Ähm ...«
Der Wind pustet mir immer wieder die Haare ins Gesicht.
»Irgendwas mit Drisch.«
»Bei Christine?« Er mustert mich stirnrunzelnd. »Die lässt so spät niemanden mehr rein. Sie hat gerade erst ein Baby bekommen und ist froh über jede Minute Schlaf.« Er blickt zu meinem Auto. »Hier kannst du nicht pennen.«
»Das hast du schon mehrfach gesagt«, schnaube ich genervt. »Aber wenn ich nicht ins Hostel darf, verrätst du mir vielleicht, wo ich sonst übernachten soll? Es war schwer genug, überhaupt ein Zimmer zu finden.«
Ich hatte eine verdammt lange Fahrt, habe vor Aufregung die Nächte davor kaum geschlafen und kann jetzt keine besserwisserischen Schnösel ertragen, die ...
Er hebt eine Hand.
»Ich weiß vielleicht was.«
»Ach ja?« Skeptisch blicke ich zu seinem aufgemotzten Sportwagen. Mein Vater fährt auch Porsche, allerdings einen familientauglichen SUV. Meistens jedenfalls, denn er hat auch einen 911er in der Garage stehen. Für gute Tage, sagt er immer.
»Das Hotel in Tarbert. Lass mich kurz anrufen.« Er marschiert zu seinem Wagen und kommt mit einem glänzenden I-Phone zurück. Er spricht in einer fremden Sprache mit der Person am anderen Ende und lacht, während er sich durch die blonden Locken streicht. Er sieht echt gut aus, aber er ist eindeutig jünger als ich und wäre eher was für die zwei Groupies vorhin im Pub. Nachdem er aufgelegt hat, wendet er sich wieder zu mir.
»Du hast Glück. Ich fahr vor dir her.«
»Danke, das ist nett, aber ich weiß, wie ich nach Tarbert komme.« Ich steige wieder in meinen Wagen und starte den Motor. Er klopft an mein Fenster, deshalb lasse ich die Scheibe nach unten gleiten.
»Was denn?«
»Heather hat schon geschlossen und steht extra für dich auf. Also lass mich mit ihr reden.«
»Ok«, gebe ich genervt zurück. Er steigt in seinen Flitzer, lässt den Motor aufheulen und wendet den Wagen auf dem Schotter, um mich zurück in die Richtung zu bringen, aus der ich gekommen bin.