Sarina Grace Scott
emotional lovestories
ALBA - Schottland Love Reihe
Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem zweiten Teil meiner ALBA Reihe für dich.
Kapitel 1
Cait
»Ich bin in Glasgow angekommen, werde jetzt erstmal einkaufen und es mir dann in meiner wunderschönen Wohnung bequem machen«, schreibe ich an Colin, nachdem ich gelandet bin, und schicke ihm ein Foto mit einem Kussmund, bevor ich mich bei meinen Eltern und Katy melde.
Gut, dass die Wohnung von Colins Freund Craig komplett eingerichtet ist, und ich deshalb nur meine beiden Koffer schleppen muss. Meine Bücher und andere Unterlagen haben Dad und ich letzte Woche zum Paketdienst gebracht, sie sollten also bald ankommen und ich kann mich richtig einrichten. Colin schreibt mir, dass er mit seinen Töchtern und seiner Schwester in Inverness ist, um Fiona zur Anprobe ihres Hochzeitskleids zu begleiten. Er schickt mir ein Foto von den Zwillingen beim Anprobieren von glitzernden Haarspangen, also antworte ich mit einem Daumen-hoch-Smiley und mache mich auf den Weg zu meiner neuen Wohnung.
Glasgow hat auch über die schottischen Landesgrenzen hinaus den Ruf, ziemlich rau zu sein. Ich denke allerdings, dass das ein Vorurteil ist, denn jedes Mal, wenn ich hier war – zuletzt mit Colin und Craig, als ich die Wohnung besichtigt habe – hatte ich nicht das Gefühl, dass es gefährlicher ist als in jeder anderen Großstadt. Glasgow hat sehr viel zu bieten und ist nicht so touristengeprägt wie Edinburgh. Craigs Wohnung liegt am Rande des trendigen Studentenviertels – dem West End – mit vielen Pubs und Cafés. Hier ist immer was los, und Craig hat mir gesagt, wo ich den nächsten Supermarkt finde, um den Kühlschrank aufzufüllen.
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»Das macht 45,70«, sagt die Verkäuferin, nachdem ich meine Einkäufe in die Tüten und meinen Rucksack gepackt habe. Ich krame meinen Geldbeutel aus der Jackentasche und fummele die Pfundnoten zwischen den Euroscheinen hervor. Die Kassiererin hält ungeduldig ihre Hand auf, aber weil ich schon eine Fahrkarte für den Bus in die Innenstadt gekauft habe, reichen meine Münzen nicht aus.
»Oh Mist«, verzweifelt sehe ich sie an.
»Da fehlen noch 2,50«, meint sie kopfschüttelnd.
»Ich weiß, sorry, ich ...« Mir schießt das Blut in die Wangen und ich fange an zu schwitzen. So ein verfluchter Mist. Mit meiner deutschen Bankkarte kann ich hier nicht bezahlen und ich habe noch keine Kreditkarte. Ich werfe einen Blick in meine Einkaufstaschen und überlege fieberhaft, was ich zurückgeben könnte. Die Schlange hinter mir wird immer länger und die Verkäuferin klingelt schon nach einer Kollegin.
»Ähm, könnte ich ...« Hektisch wühle ich in meinen Einkäufen.
»Hier, bitte«, sagt eine freundliche Stimme hinter mir, bevor jemand einen Fünfer auf den Tresen legt. Die Kassiererin öffnet ihre Schublade und der Bondrucker rattert, während ich mich zu meinem unbekannten Retter umdrehe.
»Ähm, danke, ich ...«
»Kein Problem«, murmelt er mit deutlichem Akzent und einem verschmitzten Lächeln. Die Kassiererin blickt irritiert von einem zum anderen, weil sie nicht weiß, wem sie das Wechselgeld geben soll. Er hält seine Hand auf und bezahlt anschließend seine eigenen Einkäufe, während ich immer noch perplex über seine Rettung meinen Rucksack schließe und mich zur Seite stelle, um ihn abzupassen, damit ich mich nochmal bedanken kann.
»Alles klar?«, fragt er, als er mich erreicht hat. Er ist größer als ich, was echt keine Kunst ist, seine blonden Haare linsen unter einer dunklen Mütze hervor und seine Augen leuchten in einem hellen Braun. Seine Stimme erinnert mich an diesen Schauspieler aus der Marvel-Reihe.
»Ja, ähm ... vielen Dank für die Rettung.«
»Kein Thema.« Er winkt ab. »Soll ich dir tragen helfen, die sehen schwer aus.«
Ein Gentleman ist er auch noch. Wow.
»Na ja, also eigentlich ...«
Er steckt die Zeitung und die Kaugummis ein, die er gekauft hat, und schnappt sich meine beiden Einkaufstaschen. »Na dann los.«
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Abends nutze ich zum ersten Mal die Badewanne in Craigs Wohnung und lasse mich danach im Bademantel auf mein Bett fallen, als mein Handy klingelt.
»Hey Colin, na, hat Fiona was gefunden?«
»Ja, sie wird umwerfend aussehen und Pete fallen sicher die Augen aus dem Kopf.«
Beim Zurücklehnen werde ich von den weichen Kissen fast verschluckt, deshalb fange ich an zu kichern, und Colin fragt, was ich mache.
»Ich bin gerade in den Kissen abgesoffen.«
Colin prustet vor Lachen, weil es die gleiche Bettwäsche auch in Craigs Haus auf Skye gibt und er deshalb genau weiß, was ich meine.
»Aber wie machen sie das, wenn Fionas Bauch noch wächst?«, frage ich, nachdem ich mich wieder aufrecht hingesetzt habe.
»Wir waren in einem Laden, der nur Brautkleider für Schwangere anbietet und sie werden das Kleid erst einen Tag vor der Hochzeit final anpassen.«
»Wow, das ist cool. Katy hat mich auch schon gefragt, ob ich sie begleiten kann, wenn sie ihre Kleider anprobiert.«
»Sie ist aber nicht schwanger, oder?«
Erschrocken fange ich an zu husten. »Äh, nein, ich glaube nicht.«
Colin lacht. »Wann ist ihre Hochzeit?«
»Sie haben noch keinen Termin, weil Gareth wieder für die Ibiza-Saison gebucht ist und diese Show moderiert. Wahrscheinlich erst Ende des Sommers.«
»Na, dann hoffe ich, dass ich auch eingeladen werde.«
»Bestimmt, sie werden ganz groß und pompös feiern«, antworte ich lachend und stehe auf, damit ich mir in der Küche etwas zu trinken holen kann.
»Ich habe heute jemanden kennengelernt«, gestehe ich, nachdem ich ein Glas aus dem Schrank geangelt habe.
»Ach echt?« Natürlich ist er sofort neugierig. Die Flaschen klirren beim Öffnen der Kühlschranktür und ich überlege einen Augenblick, ob ich lieber Wasser oder Saft trinken soll.
»Na ja, nicht richtig, aber ich war vorhin einkaufen und hatte nicht genügend Geld dabei, deshalb hat der Typ, der hinter mir in der Schlange stand, mir das Geld geliehen.« Ich öffne zischend die Flasche Wasser.
»Nett von ihm und dann?« Typisch, Colin denkt gleich, das, was gelaufen ist, dabei war Jayson einfach nur nett.
»Nichts und dann.«
Wenn er jetzt hier wäre, würde er die Stirn runzeln und mich skeptisch mustern, deshalb gebe ich zu, dass Jayson mich auch noch auf einen Drink eingeladen hat.
»Aha, cool.« Irgendwas in seiner Stimme klingt anders als sonst, aber ich weiß nicht was. Vielleicht macht er sich Gedanken um mich?
»Colin, es ist nichts passiert. Ich bin heute erst angekommen.«
Jetzt fängt er an zu lachen. »Ich erinnere dich jetzt nicht an den Tag, als du das zum letzten Mal gesagt hast.«
Hm, das muss er auch nicht. Das weiß ich. Bei meiner letzten Ankunft in Schottland habe ich Brian kennengelernt und mich Hals über Kopf in ihn verliebt.