Sarina Grace Scott
emotional lovestories
BELIEVE - Siyanda heißt wir wachsen
Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem ersten Teil meiner BELIEVE Reihe für dich.
Kapitel 1
Danny
Dunkelheit. Monotones Piepen. Mein Körper fühlt sich schwer an, meine Glieder sind steif und mein Kopf dröhnt. Was ist passiert? Wo bin ich hier? Bin ich allein? Unfähig mich zu bewegen, scheint mein Brustkorb mit jedem Atemzug enger zu werden und ich bin nicht in der Lage, zu sprechen. Angestrengt lausche ich in den Raum. Das Piepen lässt nicht nach, seine Regelmäßigkeit erstickt jedes andere Geräusch. Warum verdammt nochmal ist es hier so dunkel? Meine Lider flattern, aber den kläglichen Versuch, die Augen zu öffnen, muss ich trotzdem aufgeben. Stattdessen zähle ich die Sekunden zwischen den Tönen. Eins. Piep. Zwei. Piep. Drei. Piep. Leer. Mein Kopf ist wie leer gefegt. Alles, was mich und meinen Körper beherrscht, sind diese schrecklichen Schmerzen. Und das Piepen. Vier. Piep. Fünf. Piep.
»Danny?«
Sechs. Piep. Sieben …
Moment mal. Da ist eine Stimme, oder? Ist jemand hier?
Acht. Piep. Neun. Piep.
»Danny?«
Zehn. Piep.
Da war sie wieder. Jetzt spüre ich einen leichten Druck auf meiner Hand.
»Danny, kannst du mich hören?«
Der Druck wird fester und hinter dem dunklen Vorhang meiner Lider wird es langsam heller.
»Danny?«
Es ist eine weibliche Stimme, die ängstlich und erschöpft klingt. Mit einem quietschenden Geräusch wird ein Stuhl geschoben, der Druck auf meiner Hand lässt nach. Nein. Nicht weggehen.
Ich blinzele angestrengt. Die einzige Lichtquelle im Raum ist eine schwache Lampe neben dem Bett.
»Kannst du mich hören?«, fragt die Stimme, während sanfte Finger über meine Wange streicheln. Sie sind eiskalt. Der Schleier vor meinen Augen bleibt. Mein Mund ist eine Wüste, die Zunge klebt mir am Gaumen, ich versuche zu schlucken und benetze meine Lippen.
»Kay?« Meine Stimme klingt anders. So entfernt und angespannt.
»Ich bin hier«, flüstert sie mit einem erleichterten Seufzen, während ihre zitternden Finger mein Gesicht berühren. Nach und nach erkenne ich ihre zerzausten, blonden Haare und das wunderschöne, aber müde und verzweifelte Lächeln auf ihren Lippen.
»Ich …«, meine Stimme kratzt wie Sandpapier auf Holz und bricht dann ab, deshalb schlucke ich wieder, trotzdem bleibt mein Mund so ausgetrocknet wie der Crocodile River im Hochsommer.
»Ich besorge dir etwas zu trinken.« Plötzlich kommt mir das Piepen, das ich in den letzten Minuten erfolgreich verdrängt habe, wieder schrecklich laut.
Eins. Piep. Zwei. Piep. Drei. Erschöpft schließe ich die Augen. Vier. Piep. Fünf.
In Gedanken sehe ich Kayleen am Strand vor mir. Ihre langen blonden Haare gleiten in sanften Wellen über ihre Schultern, ihre gebräunte Haut schimmert seidig in der Sonne. Sie riecht nach einer Mischung aus Sonnencreme und Salzwasser, ihre Augen sind wie ein tiefer See aus Schokolade. Ich höre das Gurgeln des Wassers, das sich wieder zurückzieht, und das Kreischen der Möwen. Der Wind spielt mit ihren Haaren …
»Da bin ich wieder.« Ihre Stimme holt mich aus meinen Gedanken und sie greift vorsichtig nach meiner Hand. Das Bild meiner schönen Freundin am Strand verschwindet und vor mir sitzt die erschöpft aussehende Kayleen. Bleich und mit Schrammen im Gesicht.
»Hier, bitte.« Behutsam schiebt sie mir einen Strohhalm zwischen die Lippen. Die kühle Flüssigkeit tut gut und meine Zunge fühlt sich nicht mehr so schwer an. Ich hebe den Blick, damit ich in ihre Augen sehen kann, und öffne den Mund. Kayleen nimmt den Strohhalm heraus und stellt das Glas neben dem Bett ab. Eine Welle der Erleichterung durchfährt meinen schmerzenden Körper.
»Was ist passiert?«, frage ich mit rauer Stimme.
»Wir hatten einen Unfall.« Kayleen streichelt vorsichtig über meine Wange. Ich versuche, den Kopf zu drehen, aber jeder Millimeter an Bewegung tut höllisch weh.
»Du musst ruhig liegenbleiben, Danny«, haucht sie leise. Der Versuch eines Grinsens verstärkt die Schmerzen nur, deshalb lasse ich es lieber bleiben.
»Mein Kopf.« Ein erschöpftes Stöhnen verlässt stattdessen meine Kehle.
»Ich weiß.«
»Was ist …« Das Sprechen fällt mir unheimlich schwer, ich benetze erneut meine Lippen. »… mit dir?«
»Es geht mir gut«, antwortet sie mit einem zuversichtlichen Lächeln. Ich suche nach ihrem Blick. »Und dem Baby auch«, fügt sie hinzu.
Eine tonnenschwere Last fällt mir von den Schultern und endlich spüre ich etwas Kraft in meiner Hand, damit ich ihre vorsichtig drücken kann.
»Es ist dein Baby, Danny.« Kayleens Mundwinkel wandern nach oben, dabei bilden sich wunderschöne Grübchen in ihren Wangen. »Es ist ein Dickkopf.« Sanft erwidert sie die Berührung, bevor sie ihren Kopf neben mir auf die Matratze sinken lässt.
»Ich liebe dich, Kay«, flüstere ich dicht an ihrem Ohr. Ich würde sie gerne an mich ziehen. Sie umarmen und küssen, stattdessen liege ich nur hier – unfähig mich zu bewegen – und halte ihre Hand.
»Ich liebe dich auch«, haucht sie erschöpft.
»Küss mich, Baby«, fordere ich mit überraschend fester Stimme. Sie hebt mit einem müden Lächeln den Kopf wieder an. Eine Träne der Erleichterung löst sich aus ihren dichten Wimpern und kullert über ihre blasse Wange. Meine Hand ist schwer wie Blei, aber ich schaffe es, sie anzuheben, um die salzige Flüssigkeit fortzuwischen. Vorsichtig legt sie ihre Lippen auf meine. Sanft. Ihre Zunge stupst in meinen Mund. Zärtlich. Ich schließe die Augen, um diesen Kuss zu genießen, als wäre es der Letzte. Liebevoll. Kayleen löst sich viel zu schnell von mir.
»Du solltest dich ausruhen, Danny.«
Ich bin müde, meine Glieder schmerzen, der Kopf dröhnt, als würde er fast zerbersten, und das monotone Piepen ist auch noch da. Eins. Piep. Zwei. Piep. Drei.
Auf einmal habe ich schreckliche Angst, sie zu verlieren. Sie nie mehr wiederzusehen, deshalb suche ich wieder ihren Blick und drücke vorsichtig ihre Hand.
»Bleibst du bei mir?«
»Natürlich.« Sie lächelt. Diesmal optimistisch, weil alles gut werden wird. Kayleen lässt ihren Kopf auf die Matratze sinken und streicht mit den Fingerspitzen über meine Haut. »Ich bin bei dir.«