Sarina Grace Scott
emotional lovestories
ALBA - Schottland Love Reihe
Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem ersten Teil meiner ALBA Reihe für dich.
Kapitel 1
Cait
Im Gegensatz zu unserer Abi-Party, bei der Reena versucht hat, unseren Mitschüler Mike rumzukriegen, von dem alle wissen, dass er auf Männer steht, verläuft das Abendessen mit meinen Eltern am Wochenende entspannt. Mum hat es sogar geschafft, nicht zu weinen, bis heute. Heute stehen wir in der kühlen Abflughalle des Hamburger Flughafens, draußen brutzelt die Sonne genauso vom Himmel, wie in den letzten Tagen und die Hitze flimmert nur so vor den großen Fenstern. Ich fliege über Amsterdam nach Inverness, aber weil ich mich auf ein Jahr in der Einöde vorbereitet habe, weiß ich, dass es am Flughafen von Amsterdam einen dieser Luxus-Unterwäsche-Läden aus Amerika gibt. Ich habe zwar nicht vor, mir einen schottischen Jungen anzulachen – auch wenn Mum das sicher toll finden würde – aber ich möchte mich auch mal so sexy fühlen wie die Models im Internet. Beim Blick in die traurigen Augen meiner Mutter kommen mir tatsächlich die Tränen.
»Oh Mum, bitte.« Mit einem Puff kracht mein Rucksack zu Boden und ich breite die Arme aus, um meine Mutter nochmal zu umarmen.
»Bidh mi gad ionndrainn«, schluchzt sie und streicht durch meine Haare, die ich nur zu einem unordentlichen Knoten zusammengebunden habe.
»Ich weiß nicht, was du gesagt hast, aber ich komme schneller wieder, als es dir lieb ist«, scherze ich, auch wenn ich weiß, dass sie das nicht hören will. Sie will, dass ich mich in Schottland wohlfühle und Freunde finde, aber die Leute dort sind entweder alt oder meine Verwandten. Hastig wischt sie sich über die feuchten Wangen und murmelt etwas auf Gälisch, was ich nicht verstehe. Ich habe mir nie die Mühe gemacht, diese alte Sprache zu lernen, obwohl es sich unheimlich schön anhört, besonders die Songs, die Dad manchmal im Internetradio hört oder wenn Mum bei der Hausarbeit leise gälischen Folk singt. Mein Vater legt den Arm um sie und zieht sie sanft, aber energisch von mir weg.
»Lass sie los, Eireen«, sagt er mit tiefer Stimme, auch bei ihm hört man immer seine Herkunft. Natürlich ist er genauso traurig, aber auch stolz, dass ich es durchziehe, obwohl er weiß, dass ich keinen Bock habe. Er zieht mich in seine Arme und ich atme seinen typischen Geruch nach Meer, Öl und Dad ein.
»Pass auf dich auf, mo nighean. Ich werde dich vermissen«, murmelt er direkt an meinem Ohr, während seine Bartstoppeln meine Wange kitzeln. Das verstehe ich. So nennt er mich, seit ich denken kann. Es heißt meine Tochter, was sich wunderschön anhört, deshalb wische ich mir die Tränen aus den Augen.
»Mach’s gut, Dad«, hauche ich angestrengt, weil ich nicht weinerlich oder ängstlich klingen will, aber im Moment geht mir echt der Arsch auf Grundeis, also versuche ich, die Schultern zu straffen, und schaffe es zuversichtlich zu lächeln. Durch die Lautsprecher tönt eine verzerrt klingende Stimme, die den Flug nach Amsterdam aufruft, deshalb wende ich mich wieder zu meiner Mutter und streiche sanft über ihre Wange.
»Ich hab’ dich lieb, Mum.« Jetzt schnappe ich mir meinen Rucksack und drehe mich zu Dad. »Ich melde mich, wenn ich angekommen bin.«
Mum putzt sich schluchzend die Nase, dann legt Dad wieder seinen Arm um sie und ich hebe eine Hand zum Winken, bevor ich mich umdrehe und zur Zollkontrolle trotte. An der Fensterscheibe, bevor ich durch diesen seltsamen Scanner gehen muss, bei dem ich immer überlege, ob sie mich auf den Bildschirmen vielleicht wirklich nackt sehen können, drehe ich mich nochmal zu meinen Eltern um und winke ihnen ein letztes Mal zu.
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»Schick«, grinst der Zollbeamte, der in Amsterdam meine Einkaufstüte aus dem sündhaft teuren Unterwäscheladen kontrolliert und mich lüstern ansieht. Schnell stopfe ich die winzigen Slips und BHs wieder in die Tüte, bevor die alte Dame hinter mir einen Herzinfarkt bekommt. Ich besorge mir ein überteuertes Sandwich und warte an den riesigen Fenstern auf meinen Weiterflug. Genau wie in Hamburg flimmert die Hitze über den glühenden Asphalt und ich frage mich, ob es in Schottland auch so heiß ist. Ein Rekordsommer, sagen sie in den Nachrichten. Nie dagewesene Temperaturen werden in die Geschichte eingehen. Ich lehne mich zurück und stecke meine Kopfhörer in die Ohren, weil ich die lustig klingenden Durchsagen hier sowieso nicht verstehe. Draußen donnert ein riesiger Flieger über die Startbahn und verschwindet am wolkenlosen Himmel, ein anderer landet mit quietschenden und qualmenden Reifen und die zahlreichen Gepäck- und Servicewagen huschen überall herum. Meine Freundin Katy schreibt mir, dass sie in Frankfurt angekommen ist und jetzt zwei Stunden Zeit hat, bis ihr Flug nach New York geht, von wo sie zu ihrer Gastfamilie nach Los Angeles weiterreisen wird. New York wäre auch cool, da kann man wenigstens shoppen und feiern. Stattdessen kaufe ich mir sündhaft teure Unterwäsche am Flughafen und werde sie wahrscheinlich in der gleichen Tüte wieder mit nach Hause nehmen.