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BELIEVE - Bheka heißt jemanden beschützen

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem zweiten Teil meiner BELIEVE Reihe für dich.

Kapitel Eins
 

Kayleen


»Zum ersten Mal habe ich ihn im Krankenhaus gesehen, Marc. Er war wirklich da.« Eindringlich sehe ich Dannys Bruder an. »Ich bin nicht verrückt!« 
Seit drei Wochen sind Danielle und ich zu Hause, und immer wieder denke ich an diesen seltsamen Traum. Danny war da, als wäre er nie weg gewesen. Sam glaubt mir nicht und meint, es sei Wunschdenken. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass Danny hier ist. Bei mir und seiner Tochter. Manchmal glaube ich sogar, dass Danielle seine Anwesenheit spürt. Sie weint, wenn ich mit ihrer Windel nicht    schnell genug bin, oder länger brauche, um ihren Strampler zuzuknöpfen, und plötzlich ist sie wieder ruhig.
Ist das Danny, der sie beruhigt, oder habe ich Halluzinationen? Ist es die Übermüdung, weil ich seit ihrer Geburt nur noch im Stundentakt schlafe? 
Marc ist total verzaubert von seiner Nichte. Schon seit einer Stunde hält er mein schlafendes Baby im Arm und streichelt abwechselnd behutsam über ihr winziges Gesicht, ihre Hände und ihre Füßchen. Jetzt wendet er mir seinen Blick zu und schenkt mir ein liebevolles Lächeln. 
»Ich weiß, Kay.« In seinen Armen wirkt Danielle noch zierlicher. »Er ist bei dir. Er besucht dich.« Seine Stimme ist leise, weil er meine Tochter nicht wecken will.
»In meinem Traum im Krankenhaus hat Danny sich über Danielles Bettchen gebeugt und sie vorsichtig gestreichelt. Er hat gesagt, wie stolz er auf mich ist«, seufzend betrachte ich mein Baby einen Augenblick. »Das war doch ein Traum, oder nicht?«
»Ja, war es.« Da steht etwas, das ich nicht genau deuten kann in Marcs Augen. 
»Ich habe ihm versprochen, dir nichts zu sagen. Er wollte dich nicht durcheinanderbringen und du solltest dich ganz auf dein Baby konzentrieren«, fährt er fort. 
Was meint er denn damit? Vielleicht ist Marc der Verrückte von uns? Stirnrunzelnd streiche ich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. 
»Er meinte, du wirst selbst bestimmen, wann du bereit bist, ihn in deine Träume zu lassen.«
»Wer hat das gesagt?«, krächze ich, während Danielle leise schmatzt. »Was sollst du mir nicht sagen?«
»Danny.« Marcs Antwort raubt mir fast den Atem, deshalb starre ich ihn mit offenem Mund an. In meinen Augen sammeln sich Tränen und ich schüttle irritiert den Kopf, weil ich nicht glauben kann, was er sagt.
»Zum ersten Mal hat er mich besucht, als ich darüber nachgedacht habe, was aus mir und Johanna werden würde«, sagt Marc dann. Lächelnd legt er seine Hand auf meine.
»Ich bin nicht verrückt, Kay«, grinst er. »Danny kommt in meine Träume und jetzt kann er endlich zu dir. Er hat so lange darauf gewartet.«
Ich schnappe nach Luft wie ein Fisch auf dem Trocknen. 
»Danny ist tot, Marc!«
»Das weiß ich. Und er weiß es auch.«
Er meint das ernst, oder? Ich schlucke angestrengt und wische mir mit dem Ärmel meiner Strickjacke über die Wange. 
»Wie?«
»Keine Ahnung, Kay.«
»Ich versteh’ das nicht.« Mechanisch trockne ich die Tränen, die nun meine Lippen erreichen. »Warum jetzt?«
»Er hat gesagt, dass er uns nur besuchen kann, wenn wir von der Zukunft träumen.« Danielle dreht ihren kleinen Kopf auf die andere Seite, der Schnuller bewegt sich gleichmäßig auf und ab.
»Von der Zukunft?«, krächze ich.
»Ja. Bei Mum war er zum ersten Mal, nachdem sie sich ein Namensbuch gekauft hatte. Dad spricht nicht darüber, aber ich weiß, dass Danny auch zu ihm kommt.«
»Von Danny?« Abwesend streiche ich über die winzige Faust meiner Tochter.
»Was?« Marc sieht mich irritiert an.
»Du weißt von Danny, dass er auch euren Vater besucht?«, verdeutliche ich meine Aussage. Danielle öffnet die Augen und gähnt herzhaft.
»Ja.« Er sagt das so ernst, deshalb suche ich in Marcs Gesicht nach Anzeichen, dass er mich verarscht. Schon früher haben sich die Brüder einen Spaß daraus gemacht, mir irgendeinen Quatsch aufzutischen, und sich köstlich amüsiert, wenn ich ihnen geglaubt habe. Nur diesmal steht nicht der Schalk in Marcs dunklen Augen, sondern Liebe und Vertrauen. Er meint das wirklich ernst. Vorsichtig nehme ich mein Baby auf den Arm, küsse ihre Stirn und Marc steht auf. 
»Du darfst nicht auf ihn warten, Kay. Er kommt von ganz allein.« Mit einem Grinsen verlässt er das Wohnzimmer, damit ich Ruhe habe, um Danielle zu stillen. Ich schiebe das Shirt, es ist eines von Danny, nach oben und öffne den BH. Sofort schließt Danielle ihre winzigen Lippen um meine Brust, fängt an zu trinken und ich lehne mich seufzend zurück, während mein Blick durch den Raum gleitet. 
Über dem Sessel hängt Johannas Strickjacke, neben dem Sideboard steht Petes Notebooktasche und Ellens Buch, in dem sie gestern Abend gelesen hat, während sie auf Danielle aufgepasst hat, liegt auf dem Couchtisch. Ich blicke aus dem Fenster in den Garten. 
Danny besucht mich? 
Der Wind zerrt an den Ästen der Bäume und die ersten braunen Blätter segeln zu Boden. 
Im Traum? 
Wie soll das gehen? 
In der Küche quietscht ein Stuhl, dann höre ich Marcs Schritte im Flur und schließlich die Tür zum Bad. Ich stoße einen langen Atemzug aus und betrachte wieder meine Tochter, die ihren Mund von meiner Brust gelöst hat, mich interessiert ansieht, tief Luft holt und sich erneut über die Milchquelle hermacht. Ihre Augen sind genauso tiefblau wie die von Danny. Mit diesen Augen konnte er mich schon immer zu allem überreden.
_


»Oh nein, Danny. Nicht dieser Blick.« Er weiß genau, dass ich ihm dann nicht widerstehen kann. Er will in die Stadt. Ich nicht.
»Bitte, Kay, das wird lustig«, bettelt er. »Baby, komm schon, ich muss mal was anderes sehen als die Farm und das Reservat.« Jetzt schiebt er seine Unterlippe ein Stückchen nach vorne wie ein schmollendes Kind.
»Ich hatte eine anstrengende Woche«, versuche ich es erneut, aber er rutscht ein Stück näher zu mir. 
»Kay, bitte. Ich hab’ Jason gesagt, dass wir sowieso gewinnen werden.«
»Ich bin müde«, klage ich. »Und ich habe keine Lust auf Karaoke.«
Danny schmollt weiter. Wir sind beide große Dickköpfe, aber einer von uns wird klein beigeben. 
»Kay?«, säuselt er, während er seinen Kopf in meinen Schoß legt. Grinsend streiche ich durch seine blonden Locken. »Baby?« Er wird nicht aufgeben. Aber ich auch nicht.
»Warum willst du unbedingt heute ausgehen?« Meine Hände gleiten zärtlich durch seine Haare, sie sind länger als sonst, weil er unbedingt ausprobieren will, einen Zopf zu tragen. 
»Wir könnten uns auch hier einen schönen Abend machen.« Liebevoll zeichne ich seine Augenbrauen nach. »Wenn Marc und die anderen nicht da sind …« Ich lasse das Ende des Satzes offen und auf seinen Lippen bildet sich ein sexy Lächeln, das süße Grübchen in seine Wangen zaubert. Diesmal gewinne ich.
»Nur wir beide?«, hakt er nach und als ich mit einem Nicken antworte, schrauben sich seine Mundwinkel ein Stückchen höher, bevor er aufsteht. An der Tür angekommen, wendet er sich mit den Händen auf dem Rücken wieder zu mir. Mit einem leisen Knirschen dreht er den Schlüssel im Schloss und kommt wieder auf mich zu. Er trägt nach wie vor seine beigefarbene Arbeitshose und ein weißes T-Shirt, das seine gebräunte Haut zur Geltung bringt. Jetzt hat er sein Bett erreicht und stützt sich neben mir ab. Mein Herz pocht so laut, dass er es bestimmt hören kann. Ich spüre seinen warmen Atem, der nach Kaffee und Kaugummi riecht, während ich in den Tiefen seiner Augen ertrinke. 
»Nur wir beide?«, haucht er erneut, aber ich bin immer noch unfähig, zu antworten, deshalb nicke ich nur, bevor er seinen Mund auf meinen legt und mich sanft in die Kissen drückt.

 

_
Zärtlich streiche ich über Danielles Wange.  »Wenn du diese Augen genauso einsetzen kannst, wie dein Daddy habe ich jetzt schon verloren.« Ihre kleine Hand um meinen Zeigefinger geklammert, schmatzt Danielle leise und mustert mich ausgiebig. Nach meiner Ankunft in London hatte ich öfter das Gefühl, Danny zu sehen. Im Spiegel. Im Schaufenster, oder in der Wasseroberfläche eines Brunnens. Nach meinem Geburtstag lies dieses Gefühl nach, aber die kleinen Momente, in denen ich ihn sehen konnte, dafür umso intensiver. Er war immer bei mir. Seine Anwesenheit hat mich beruhigt, aber nur Marc hat mir wirklich geglaubt. Danielle löst ihre Lippen von meiner Brust. 
»Na, mein Engel, bist du satt?« Vorsichtig hebe ich sie hoch und lege sie an meine Schulter, bevor ich aufstehe und langsam durchs Zimmer wandere. Marc taucht wieder in der Tür auf. 
»Mahlzeit beendet?« Er kommt einen Schritt näher und Danielle rülpst leise.
»Ja. Sind Sam und Johanna noch nicht zurück?«
»Nein. Zwei Shopping-Queens unter sich.« Er verdreht grinsend die Augen.
»Ich muss sie wickeln, danach könnten wir einen Spaziergang machen, wenn du willst.«
»Klar, gerne.« Im Vorbeigehen streichelt er über Danielles Rücken und lässt sich auf die Couch fallen. Auf dem Weg nach draußen bleibt mein Blick an den Fotos auf dem Sideboard hängen. Fotos von Danny und mir.
»Du kommst mich also besuchen?« Ich berühre sein Gesicht. Sein Lachen war immer ansteckend. Er fehlt mir, jeden Tag und jetzt mit seinem Baby im Arm noch mehr, aber für Danielle lohnt es, sich weiterzumachen. Ich presse meine Lippen an ihre Stirn. Sie ist das Einzige, was mir von Danny geblieben ist. In ihrem Zimmer lege ich sie vorsichtig auf den Wickeltisch und werfe einen Blick zu Dannys Foto an der Wand. 
»Ich freu mich auf dich.«

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