Sarina Grace Scott
emotional lovestories
LOVE ME BACK
Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem ersten Kapitel von LOVE ME BACK für dich.
K a p i t e l 1
Ally
Endlich in Sydney angekommen, schleiche ich in die Toiletten des Flughafens und stelle den schweren Rucksack auf den Boden vor eine der Kabinen, bevor ich sie betrete. Seit einer gefühlten Ewigkeit bin ich unterwegs und hier ist es viel wärmer als in Schottland. Na klar, hier ist Frühling.
Es ist November und ich starte nächste Woche mein Praktikum in Australien. Sechs Monate allein in einem fremden Land. Na ja, nicht ganz allein, denn ich werde in der Firma meines Patenonkels arbeiten.
Weil ich auf der Toilette getrödelt habe, ist die Schlange an der Passkontrolle umso länger und ich entdecke die drei Amerikaner, die schon beim Umsteigen in Singapur versucht haben, meine Nummer zu bekommen. Seufzend setze ich meine Sonnenbrille auf und schlendere hinter einer Familie zum nächsten Schalter.
»Hey Beautiful!«, ruft einer der Jungs. »Kommst du mit uns zum Strand?«
Ich schenke ihm ein Lächeln und schüttle den Kopf, bevor ich einen Schritt nach vorne trete.
»Wo kommst du her?«, will der andere Kerl mit den blonden Locken wissen. Der ältere Mann vor den Jungs dreht sich mit einem tadelnden Blick um und sogar der Sicherheitsbeamte beobachtet die Drei.
Meine Reihe bewegt sich weiter und auch die Jungs treten um die nächste Kurve des Absperrbandes. Ich krame meinen Pass aus der Tasche und hoffe, dass die Jungs nicht nochmal versuchen, mit mir ins Gespräch zu kommen. Ich habe weder Lust auf Small Talk noch auf Flirten und auf Männer erst recht nicht.
»Du bist echt heiß«, haucht der Große mit der Baseballcap und ich spüre seinen Finger an meinem nackten Arm, deshalb trete ich einen Schritt zur Seite.
»Hör auf damit!«
»Uh, sie kann sprechen!«, lacht wieder der Blonde.
»Wie heißt du, Süße?«, will Baseballcap-Typ wissen. Zum Glück bewegt sich meine Reihe ein Stück weiter, aber auch die drei Amerikaner bleiben nah bei mir.
»Gentleman!« Jetzt tritt der Sicherheitsbeamte auf sie zu. »Die junge Dame hat anscheinend kein Interesse.« Er zwinkert mir zu und öffnet das Absperrband, damit ich in eine andere Reihe treten kann, während er sich direkt vor der Schlange platziert, in der die Jungs stehen. Ich werfe einen entschuldigenden Blick zu der Dame, die mich vorlassen muss, aber sie nickt nur und widmet sich wieder ihrem Handy.
Endlich bei der Kontrolle angekommen, muss ich meine Sonnenbrille absetzen und sehe in ein bekanntes Gesicht.
»Was bringt Sie nach Sydney?«, fragt meine Freundin Grace, ohne mit der Wimper zu zucken.
»Ich mache hier ein Praktikum«, antworte ich brav. »Was machst du hier?«, schiebe ich hinterher.
»Schscht«, zischt sie, während sie mein Visum prüft. »Aus England?«, fragt sie immer noch ernst.
»Schottland«, berichtige ich sie.
Sie grinst. »Meine beste Freundin stammt auch aus Schottland.«
»Ach echt?«
Grace reicht mir meinen Ausweis zurück. »Nimm dir draußen ’nen Kaffee, ich hab’ noch eine Stunde.« Sie nickt zu den Jungs, die mich angemacht haben. »Und die überlass uns.«
»Danke.«
Bevor die Jungs die Kontrollen durchqueren, beeile ich mich durch die letzten Türen zu kommen und trete in die Ankunftshalle.
Ich wusste, dass Grace bei der Grenzpolizei ist, aber ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet sie meine Einreise kontrolliert. Grace ist vier Jahre älter als ich, und obwohl sie so weit weg wohnt, ist sie eine meiner besten Freundinnen. Müde stelle ich den Rucksack in der Nähe eines Brunnens ab und lasse mich auf die kühlen Steine sinken. Ich krame nach meinem Handy, um Mum zu schreiben, dass ich angekommen bin.
_
»Miss, Sie können hier nicht schlafen!« Jemand tippt gegen meinen Fuß. Ich öffne müde die Augen. Oh Shit, ich bin eingepennt. Eilig rappele ich mich hoch. Für einen Moment sehe ich nur die dunkelblaue Uniform, dann erkenne ich das Grinsen meiner Freundin. Ohne den strengen Ausdruck, den sie vorhin bei der Passkontrolle getragen hat, wirkt sie wieder wie die Gracie, die ich kenne. Ihre dunklen Locken haben sich aus dem ordentlichen Zopf gelöst und umrahmen ihr Gesicht, während sie ihre Uniformjacke locker über den Arm gehängt und die Ärmel ihres Hemds hochgekrempelt hat.
»Sorry, es hat doch länger gedauert.« Sie breitet ihre Arme aus. »Komm her, Süße!« Nachdem sie mir einen dicken Schmatzer auf die Wange gedrückt hat, zieht sie mich fest an sich. »Es ist so schön, dass du da bist.«
»Finde ich auch«, murmele ich und Grace zieht mich wieder in ihre Arme.
»Wie war der Flug?«, fragt sie, nachdem sie mich losgelassen hat.
Stöhnend verdrehe ich die Augen. »Lang bis nach Singapur. Und dann noch länger.«
Sie streicht mir über die Haare, die ich nicht mehr in Braids trage. »Hübsch siehst du aus.«
»Danke.« Ich mustere ihre Uniform. »Du auch. So richtig autoritär. Ich hatte kurz Angst, Ärger zu bekommen.«
»Ach Quatsch!«. Grace lacht. »Lass uns abhauen. Du bist sicher müde.«
Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zum Ausgang. »Dad ist heute zuhause, er hat seine Geschäftsreise nach Auckland an seine Partnerin abgegeben«, erklärt Grace, als wir über die Straße zum Parkplatz der Mitarbeiter gehen.
»Schön, ich freu mich schon alle wiederzusehen. Wie geht es Henry und Theo?«
»Gut. Sie sind jetzt unter die Surfer gegangen.« Sie verdreht die Augen, weil ihre Stiefbrüder noch nie stillstehen konnten. Dann drückt sie auf die Fernbedienung ihres Wagens und öffnet den Kofferraum. »Ich habe extra für dich aufgeräumt.«
Lachend öffne ich die Beifahrertür. »Du bist die ordentlichste Person der Welt, also red nicht so ’nen Unsinn.«
»Stimmt.« Kichernd schließt sie den Kofferraum. »Es ist Surf-World-Cup und jede Menge süße Jungs sind in der Stadt.« Grace klettert hinters Steuer und ich schüttle den Kopf.
»Nee, sorry. Auf Jungs habe ich gerade keinen Bock.«
»Warum nicht?« Sie sieht mich fragend an. »Immer noch wegen der Trennung von Jamie?«
Beim Gedanken an meinen Ex und das Drama zuhause lehne ich seufzend meinen Kopf gegen die Lehne.
»Okay, erzähl’s mir später.« Grace startet den Motor. »Aber ich will alles wissen.«